Bildungszeit - Wachstumsbranche Zeitarbeit:
Handlungsfelder, Kompetenzentwicklung, Bildungsprofile

Kurzbeschreibung (pdf)

Als einer der wachstumsstärksten unternehmensbezogenen Dienstleistungen weist die Zeitarbeitsbranche aktuell ca. 670.000 Beschäftigte aus. Sie konnte im Zeitraum von Mitte der 1990er Jahre bis zum Jahr 2007 eine Wachstumsrate von ca. 300 Prozent erzielen und war für diesen Zeitraum mit einem Anteil von ca. 37 % am allgemeinen Beschäftigungszuwachs beteiligt. Etwa 2 % der Betriebe nutzen dieses Instrument, insbesondere größerer Betriebe (ca. 35 % bei Unternehmen ab 500 Mitarbeitern). Zeitarbeit existiert in fast allen beruflichen Tätigkeitsfeldern. Standardarbeit wird von ca. 90 % der Zeitarbeiter ausgeführt, d.h. gewerblich industrielle Tätigkeiten mit einem hohen Anteil an „zerlegter, manueller Fertigung“. Mit Abstand am stärksten vertreten ist deshalb die Gruppe der „Hilfsarbeiter ohne nähere Tätigkeitsangabe“. Zeitarbeit kann daher auch als Instrument gesehen werden, Arbeitskräfte, die aufgrund unzulänglicher und ungeeigneter Qualifikationen keine Arbeit finden, in Beschäftigung zu bringen. Im Bereich der Spezialarbeit sind derzeit ca. 10 % der Zeitarbeitskräfte tätig. Die Einsatzfelder sind sowohl in gewerblich-industriellen (vor allem Ingenieurarbeiten) als auch im Dienstleistungssektor (z. B. Management-, Finanz-, Informations- und Kommunikationsdienstleistungen, Gesundheitsbereich) anzutreffen. Die dort tätigen Personen können auf eine hohe Qualifikation verweisen. Unter arbeitsmarktpolitischen Gesichtspunkten wird der Spezialzeitarbeit eine Vorreiterfunktion zugewiesen. Durch Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt (Fachkräftemangel, demografische Entwicklung) wird die Rekrutierung von guten Arbeitskräften für Zeitarbeitsunternehmen immer schwieriger. Es ist daher notwendig, sich als Arbeitgeber in der Zeitarbeitsbranche künftig attraktiver gestaltet, da nur auf diese Weise qualifizierte Arbeitskräfte gewonnen und gehalten werden können. Ein Ansatzpunkt dafür ist das Aufzeigen von beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten und Perspektiven durch Zeitarbeit, in diesem Kontext vor allem durch Qualifizierung und Förderung der Kompetenzentwicklung. Diese ist in der Zeitarbeit derzeit nur gering verbreitet.
Das Projekt Bildungszeit entwickelt adäquate Weiterbildungsstrukturen für die Zeitarbeit auf unterschiedlichen Ebenen, durch die die Kompetenz der Beschäftigten gezielt gefördert werden kann. Ziel ist dabei, die Zeitarbeit künftig weiterhin flexibel für das Beschäftigungssystem zu gestalten und gleichzeitig sozialverträgliche Beschäftigungsbedingungen für die Arbeitnehmer zu schaffen. Unter Einbeziehung der Interessenlagen der beteiligten Akteure sollen Strategien und Handlungsansätze zur künftigen Gestaltung von Zeitarbeit – insbesondere unter dem Blickwinkel der Kompetenzentwicklung – entwickelt und erprobt werden. Dazu gehört die Erschließung zusätzlicher Arbeitskräftepotenziale wie ältere Arbeitnehmer, Arbeitnehmer mit Migrationshintergrund, Jungakademiker und Studienabbrecher sowie Arbeitslose mit Kompetenzprofilen, die den nachgefragten Anforderungen nur teilweise entsprechen. Unter Berücksichtigung dieser Zielgruppen sollen vor allem Konzepte entwickelt werden, durch die ein Zugang zu den Personen möglich wird und die eine Integration in den Arbeitsmarkt über die Zeitarbeit zulassen. Bei der Entwicklung und Erprobung entsprechender Konzepte werden bewusst arbeitnehmerorientierte Aspekte berücksichtigt. Ziel ist es, mit allen Sozialpartnern abgestimmte sozialverträgliche Gestaltungsansätze für eine zukunftssichere Zeitarbeit zu erarbeiten und in der Praxis zu erproben. Die Entwicklung von entsprechend innovativen Strategien und Handlungsansätzen mit dem Ziel der beruflichen Kompetenzentwicklung erfolgt in folgenden Bereichen:
Qualifizierung bzw. Weiterqualifizierung, von Zeitarbeitskräften

  1. Kurzfristige formale Weiterbildung mit Abschluss
  2. Erwerb bzw. Anerkennung von Teilqualifikationen in einem Berufsfeld durch Lernen im Prozess der Arbeit
  3. Vermittlung von Querschnittsprofilen für Höherqualifizierte und Akademiker/innen

Zeitarbeit als Chance zum Einstieg bzw. Wiedereinstieg/Weiterqualifizierung von Personaldisponenten
Das im Verbundprojekt zu bearbeitende Teilprojekt ZEC+ konzentriert sich im Wesentlichen auf drei Aufgabenbereiche mit jeweils unterschiedlicher Zielstellung:
Das erste Arbeitsfeld umfasst die Entwicklung und Erprobung von hybriden Curricula, in den für die Zeitarbeitsbranche als bedeutsam identifizierten Arbeits- und Einsatzfeldern. Hierbei sollen in erster Linie niedrig qualifizierte Arbeitnehmer/innen in modularisierten Qualifizierungs- und Kompetenzförderungsmaßnahmen für den Einsatz in qualifizierten Tätigkeiten unterhalb der Facharbeiterebene vorbereitet werden. Zum einen soll dadurch die steigende Nachfrage an qualifizierten Fachkräften im Rahmen der Zeitarbeit besser bedient werden können und somit den sich verändernden Marktbedingungen in der Zeitarbeit im Hinblick auf die Qualifikation der Mitarbeiter/innen Rechnung getragen werden. Zum anderen sollen Mitarbeiter/innen in der Zeitarbeit Qualifizierungsmöglichkeiten gegeben werden, indem die wechselnden Arbeitsgelegenheiten gezielt und systematisch für eine Kompetenzerweiterung genutzt werden können. In diesem Kontext wird auch die Anerkennung von (Teil-)Abschlüssen (erlangt durch Qualifizierung und qualifizierten Arbeitseinsatz) durch die Kammern und Verbände verfolgt. Dazu werden die entwickelten Curricula mit den entsprechenden fachlichen Stellen der Kammern, Verbände und des BiBB diskutiert.
Ein zweiter Arbeitsbereich liegt in der Entwicklung und Erprobung einer Strategie zur Verbesserung der Integration Älterer auf dem Arbeitsmarkt: Zum einen soll älteren Arbeitnehmer/innen durch einen Einsatz gezielter Maßnahmen die Möglichkeit einer Wiedereingliederung auf dem ersten Arbeitsmarkt gegeben werden. Zum anderen ist beabsichtigt, diese Zielgruppe als Arbeitskräftepotenzial zur Befriedigung der Fachkräftenachfrage besser zu erschließen. Insbesondere unter den sich ändernden Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt durch den demografischen Wandel wird auf verschiedenen Ebenen der Rekrutierung und Qualifizierung von Fachkräften ein Strategiewechsel für diese Altersgruppe in der Zeitarbeit vorbereitet. Dabei ist anzunehmen, dass diese Personengruppe einen besonderen Bedarf an ergänzenden Qualifizierungen aufweist, der ihnen ein Verbleib im bzw. den Wiedereinstieg ins Erwerbsleben ermöglicht.
Der dritte Arbeitsbereich umfasst die Evaluation der im Projektverbund entwickelten Qualifizierungs- und Kompetenzförderungskonzepte. Dabei werden Fragen hinsichtlich der Passgenauigkeit der ermittelten Bedarfe und der vermittelten Inhalte sowie sich durch die Teilnahme ggf. ergebenden Veränderungen im Arbeitsalltag betrachtet. Die Anwendbarkeit der Konzepte sowie sich daraus ergebende Ergebnisse für die teilnehmenden Personen stehen somit im Vordergrund. Ein anderer Blickpunkt untersucht, inwiefern die entwickelten Qualifizierungs- und Kompetenzförderungskonzepte in bestehende Aus- und Weiterbildungsstrukturen eingeordnet werden können. Mit Blick auf die modularen Weiterbildungsangebote für Personaldisponenten wird evaluiert, wie diese sich auf die Erledigung der Arbeitstätigkeiten und den Erfolg bei der Arbeit auswirken. Ggf. erforderliche Änderungen und Ergänzungen bezüglich der erarbeiteten Konzepte sind ebenfalls Gegenstand der Analysen. Durch das TP der Eichenbaum GmbH werden im Projektverlauf verschiedene Verfahren zur Erfassung von Kompetenz entwickelt und erprobt. Deren Anwendbarkeit, Reichweite und der sich aus der Anwendung ergebende Nutzen sind ebenfalls zentrale Aspekte der Evaluation. Die Evaluation soll insofern als Steuerungsinstrument fungieren, um die Projektergebnisse insgesamt zu optimieren.
Darüber hinaus steht das Teilprojekt ZEC+ dem Teilprojekt der Eichenbaum GmbH bei der Entwicklung der Kompetenzerfassungsverfahren und bei der Erarbeitung von Verfahren zur Ermittlung von berufsbezogenen Anforderungen, aus denen entsprechende Curricula entwickelt werden, beratend zur Seite.

Projektlaufzeit:
01.04.2008 – 31.03.2011

Projektpartner:
Eichenbaum GmbH (Gotha) als Koordinator, START e. V. Erfurt,
Erfurt ifw Günter-Köhler-Institut für Fügetechnik u. Werkstoffprüfung GmbH (Jena),
ZIP Zeitarbeit + Personalentwicklung GmbH (Bremen)

Transferpartner:
SIR Industrieservice GmbH (Köln), iGZ – Interessenvertretung Zeitarbeit e. V. (Münster)

Gefördert:
Projektträger: Deutsche Luft- und Raumfahrt (DLR) im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF)

Projektmitarbeiterinnen:
Frau Christina Düsseldorff,
Frau Bianca Goertz