„Diskontinuierliche Erwerbsbiographien“ –
ein langfristig angelegtes überinstitutionelles Kooperationsprojekt


Projekthintergrund

Die Frage, inwieweit sich tradierte berufliche Lebenswege in Richtung brüchiger und durch vielfältigen Wechsel gezeichneter Erwerbsbiographien wandeln, steht im Zentrum einer Workshopreihe, die seit 2001 in sozialwissenschaftlicher und andragogischer Perspektive der Erwachsenenbildung durchgeführt wird. Den Hintergrund bilden Klärungsbedarf und Klärungsinteresse hinsichtlich des je aktuellen sozialwissenschaftlichen Forschungsstandes zur Thematik und zu der Frage, wie sich die aus den Veränderungen resultierenden Verunsicherungen der Subjekte in der Praxis der Erwachsenenbildung niederschlagen.
Während in den ersten beiden Workshops Bestandsaufnahmen in den Praxissystemen Sozialwissenschaft und Erwachsenenbildung vorgenommen wurden, im dritten und vierten in einer Verschränkung der Perspektiven Aspekte der sozialen Konstruktion und Bewältigung von diskontinuierlichen Erwerbsbiographien im Mittelpunkt standen und Lehr-/Lernkonzepten zugrunde liegende Selbstkonzepte thematisiert wurden, standen im 5. Workshop (14.-15. September 2006 im Landesinstitut für Schule in Soest) die Frage des Aufkommens neuer Lebenslaufregimes – bzw. dessen Wahrnehmung durch die jüngeren Generationen – und die Bedeutung dieser Prozesse für die Erwachsenenbildung zur Diskussion.

Offene Fragen

Die Dynamik der Veränderungen in Gesellschaft und Erwerbsarbeit erlaubt keine abschließenden Antworten auf die Ausgangsfrage der Workshopreihe, sondern stellt eine permanente Herausforderung für die Praxissysteme Sozial- und Bildungswissenschaft und Erwachsenenbildung dar. So haben die auf den ersten Workshops vorgestellten Ergebnisse quantitativer und qualitativer Sozialforschung gezeigt, dass die Veränderungen der Erwerbsbiographien in sich nicht einheitlich beschreibbar sind, sondern unter anderem je nach Lebenslage, Geschlecht, Alter, beruflichem und sozialem Status, regionaler Zugehörigkeit differenziert zu betrachten sind. Sozialer Wandel, das Anwachsen der Arbeitslosigkeit auch bei qualifizierten Facharbeitern und Akademikern sowie der Umbau der Institutionen von Bildung und Arbeit verdeutlichen, dass die Risiken der Erwerbsbiographien immer schwieriger zu prognostizieren sind, das Feld also einer Dauerbeobachtung bedarf.
In der Erwachsenenbildung zeigt sich ein ähnlich uneinheitliches Bild, wenn die Verarbeitungsformen von Diskontinuität in den Blick genommen werden. Es zeigt sich die Notwendigkeit, Bildungskonzeptionen zu entwickeln, in denen individuelle und kollektive Diskontinuitätserfahrungen in professionell beratender Begleitung auf dem Weg von der Ungewissheit zur Selbstgewissheit der Bearbeitung zugänglich werden. Hier liegen zentrale Herausforderungen an die Professionen und ihre Vertreter/innen. Dazu bedarf es einer stärkeren Auseinandersetzung mit dem Verständnis von Bildung und dem Menschenbild, das Erwachsenenbildung prägt – aber auch einer produktiven Sensibilisierung sozial- und erziehungswissenschaftlicher Forschung für die vielfältigen Gestalten und Facetten der Vorgänge, die sich Verallgemeinerungsversuchen noch zu verschließen scheinen, schließlich innovativer Methodenentwicklung in beiden Praxissystemen.
Der Nutzen, der sich aus einer perspektivischen Kooperation ergeben kann, zeichnet sich nach den bisherigen Workshops trotz anfänglicher Irritationen, die nicht identische Denk- und Sprachtraditionen mit sich bringen, schon ab. Es ist deutlich geworden, dass erst weitere Diskussion leisten kann, was mit den Workshops begonnen werden sollte: eine Bereicherung der je eigenen Perspektive durch die kritische Reflexion und den kritischen Blick der jeweils anderen. Neben den Fragestellungen, die weiterhin vornehmlich einer praxissystemimmanenten Bearbeitung bedürfen, ergibt sich eine Fülle von Themen, die insbesondere im Hinblick auf die aktuellen „Reformen“ der Märkte von Arbeit und Bildung einer gemeinsamen Bearbeitung zugänglich gemacht werden sollen.

Aufgaben

Die Projektgruppe „Diskontinuierliche Erwerbsbiographien“ hat sich zum Ziel gesetzt, dazu beizutragen, einmal eruierten Forschungs- und Umsetzungsbedarfen einen praxisnahen Handlungsrahmen zu eröffnen. Es ist ein zentrales Ziel der Workshopreihe, solche offenen Fragen ins Bewusstsein zu heben, sie transparent zu machen, in bearbeitbare Pakete zu überführen und ein Forum für deren sukzessive diskursive Abarbeitung zu eröffnen. Es ist das Anliegen der Projektgruppe dazu beizutragen, dass wichtige Diskussionspfade nicht abbrechen, und der weiteren Bearbeitung des Themas einen koordinierenden ergebnisorientierten Rahmen zu geben. Sie sieht ihre Aufgaben konkret vor allem darin,

Literatur

Behringer, Friederike, Axel Bolder, Rosemarie Klein, Gerhard Reutter und Andreas Seiverth (Hrsg.): Diskontinuierliche Erwerbsbiographien. Zur gesellschaftlichen Konstruktion und Bearbeitung eines normalen Phänomens, Hohengehren: Schneider 2004

Anlaufadressen

Dr. Axel Bolder, Universität Duisburg-Essen, FB Bildungswissenschaften,
IBW (Institut für Berufs- und Weiterbildung), R11 T05 C35, Universitätsstr. 2, 45141 Essen;
fon: 0201 / 183 4508;
axel.bolder@uni-due.de,
www.bwpaed.uni-duisburg-essen.de

Peter Busse, DASA (Deutsche Arbeitsschutzausstellung),
Friedrich-Henkel-Weg 1-25, 44149 Dortmund; fon: 0231 / 9071 0; busse.peter@baua.bund.de, www.baua.de

Rudolf Epping, c/o Landesinstitut für Schule / Qualitätsagentur,
Paradieser Weg 64, 59494 Soest; fon: 02921 / 683 302; rudolf.epping@msw.nrw.de

Rosemarie Klein / Anja Wenzig, bbb (Büro für berufliche Bildungsplanung),
Saarbrücker Straße 33, 44135 Dortmund; fon: 0231 / 423380
klein@bbbklein.de, wenzig@bbbklein.de, www.bbb-dortmund.de

Gerhard Reutter, DIE (Deutsches Institut für Erwachsenenbildung),
Friedrich-Ebert-Allee 38, 53113 Bonn;
fon: 0228 / 3294 251
reutter@die-bonn.de, www.die-bonn.de

Andreas Seiverth, DEAE
(Deutsche Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung),
Emil-von Behring-Str. 3, 60349 Frankfurt a.M.; fon: 069 / 58098 307
a.seiverth@deae.de, www.deae.de